Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Das Loch

Siehst du mich eigentlich noch?

Oder blickst du die ganze Zeit nur auf das Loch,

das ich hinterlassen hab?

 

Zuerst war’n da Schmerz und Angst

und ich dachte, dass du um mich bangst.

Lag ich da falsch?

 

Ist es nicht eher das Loch,

das sich da plötzlich auftat!?

Schwarz und unendlich tief…

 

Voll mit Sorgen und Gedanken

– die bringen selbst den härtesten Stein ins Wanken.

All die ToDo’s, die Organisation…

– ganz ehrlich: Ich bin mir sicher, du schaffst das schon!

 

Doch du blickst nur weiter ins ewige, dunkle Loch.

Vielleicht fragst du: “Wie lange dauert das noch,

bis alles wieder so wird, wie zuvor?”

 

Ich sag’s dir: “Nie wieder! Das Loch bleibt für immer.”

Doch blickst du hinab, wird’s nur immer schlimmer.

Schau hoch, ich bin hier!

Sag mal, siehst du mich noch?

Im Jahr 2024 habe ich viele Tage im Krankenhaus verbracht. Und auch wenn ich zuhause war, konnte ich oft nicht so, wie ich wollte. Ich war (oft) nicht da und alles musste neu organisiert werden. Es entstand ein Loch. Eine Leerstelle, die zuvor ich ausgefüllt hatte. 

Je länger die Therapie andauerte, desto häufiger hatte ich den Eindruck, als würde unglaublich viel Energie meiner Familie dahin fließen, diese Leerstelle auszufüllen. Und gleichzeitig war und bin ich doch immer noch da.

Und plötzlich sind sie da, diese existenziellen Fragen:

  • Wer bin ich eigentlich, wenn meine “Rollen” wegfallen?
  • Wen oder was seht ihr, wenn ihr mich anschaut?
  • Und wie sehe ich mich?
  • Wer oder was will und kann ich sein?

Dafür müssen wir uns gegenseitig in die Augen blicken – oder in den Spiegel. Und das Loch einfach mal Loch sein lassen…

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